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Insomnia ****

Regisseur Christopher Nolan beglückt Thrillerfans dieses Jahr mit INSOMNIA, einem Remake des gleichnamigen norwegischen Filmes aus dem Jahr 97, von dem ich bisher noch nie etwas gehört oder gesehen habe. Nolans Version ist ein kaltes, unheimlich beklemmendes Kinoerlebnis indem Grenzen von Gut/Böse, Schuld/Unschuld, Wahrheit/Lüge unaufhaltsam verschwimmen und ineinanderfliessen und dazu mutiert gleichsam passend wie unpassend der mittlerweile langweilige Gelegenheitswitzbold Robin Williams zum faszinierenden Gelegenheitskiller - und das alles noch dazu an einem Ort in Alaska wo die Sonne für Monate nicht untergeht und so die Nacht zum Tag wird (oder so ähnlich).

Will Dormer (Al Pacino) und Hap Eckhart (Martin Donovan) werden zwecks Aufklärung eines Mordes an einem 17 jährigen Mädchen eben an jenen Ort geschickt und lernen Ellie Burr (dargestellt vom ehemaligen irakischen Ex-Modell Oberst Leutnant Hilary Swank) kennen. Die junge einheimische Polizisten hat den Cop Dormer während ihrer Ausbildung studiert. Sie vergöttert ihn. Doch Dormers ruhmreiche Vergangenheit steht auf einem sehr wackeligen Podest. Eine Untersuchungskommission ist ihm auf den Fersen.

Es dauert nicht lange und die Profis sind dem Mädchen-Mörder auf der Spur. Doch alles kommt so wie es nicht kommen soll und Dormer erschiesst bei der Jagd durch dichten Nebel anstelle des Verbrechers seinen Partner. Dormer aber behält diesen tödlichen Unfall (!?) für sich, lässt Beweismaterial verschwinden und tauscht es aus. In einer der zahlreichen, schlaflosen Nächte läutet Dormers Telefon und es meldet sich der Killer, ein Schriftsteller namens Walter Finch (Robin Williams), der über das Rendezvous im Nebel seine eigene Geschichte zu erzählen hat.

Pacino und Williams sind hier wirklich sehr gut. Es kommt zu vermehrten Begegnungen der beiden Wahnsinnigen und dazu gesellt sich das zunehmende Gefühl eines INSOMNIA-Rausch-Zustandes. Al Pacino trifft ja immer wieder gerne auf ein psychologisch wertvolles Plauderstündchen mit seinem Kontrahenten zusammen - siehe Michael Mann"s HEAT - und das steht ihm auch. Bilder ruhender Landschaften, einsame Spaziergänge Dormers in hellen Nächten durch leere Strassen, blitzende Tagträume, Szenen angedeuteten Wahrnehmungsverlustes, unbezwingbares bedrohliches Sonnenlicht, Dormers von Müdigkeit zerfressene Visage, sein Beinahe-Zusammenbruch während einer Autofahrt mit pochenden Scheibenwischern ... nach 2 Stunden wirkt sowas. Einem Menschen wie mir, der mindestens 8 Stunden täglich in seinen Polster sabbert, das Gefühl von Schlaflosigkeit zu vermitteln ist schon eine ordentliche Leistung.

Bei INSOMNIA zählen vor allem jene Tricks die man nicht so sehr sieht. Für mich ist es daher der bessere Nolan, auch wenn das innovative Element diesmal fehlt. In MEMENTO durfte man Leonard Shelbys krankhaften Zustand mit Interesse von aussen beobachten. INSOMNIA dagegen hält einen nicht auf Distanz, lässt einen herein. Man spürt den Film!