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Die Klavierspielerin (Michael Haneke) *****
Roman von Elfriede Jelinek. Michael Hanekes großer CANNES-Absahner (Beste Hauptdarstellerin Isabelle Huppert, Bester Hauptdarsteller Benoît Magimel und Der grosse Preis der Jury an Haneke) ist ein wildes und (weil notwenig) unbarmherziges Ding! Dieser Film, der wegen seiner kühnen Offensivität sein Publikum spaltet, ist für mich eine Sensation. Intensiver habe ich dieses Jahr noch bei keinem Film mitgelebt und zerknautschter habe ich noch keinen Kinosaal verlassen. Das meine ich als Kompliment! Erika Kohut (Huppert legt eine unheimlich brutale Vorstellung hin - unschlagbar gut!) ist eine Klavierprofessorin an der Universität, eine intelligente, hochbegabte Frau um die 40 die von ihrer Mutter (Annie Girardot ist auch nicht gerade übel) kontrolliert wird. Sie leben nicht nur in der gemeinsamen Wohung sondern schlafen auch zusammen in einem Doppelbett. Erikas emotionales und sexuelles Innenleben ist komplexer und verwirrender als die klassische Musik die sie unterrichtet, aber sie stülpt sich eine kalte Schale um und versucht für jedermann unantastbar zu bleiben. Doch die Fassade beginnt zu bröckeln als ein junger, lebensfroher und gefühlsoffener Mann und Verehrer (Benoît Magimel) ihre Meisterklasse besucht. Er gesteht Erika seine romantische Verliebtheit und lässt sich auch von ihrer eiskalten Reaktion nicht abschrecken. Was dann alles folgt ist unbeschreiblich und alles was ich jetzt dazu schreiben würde, würde dem Dargestellten nie gerecht werden (können). Hier kleine Mosaikteilchen des zerstörerischen Ganzen: jahrelange Seelenpein, Einsamkeit, gewachsene aber kaum erfüllbare Sehnsüchte und Wünsche, zuerst die Innere dann die äussere Selbstverstümmelung, Erniedrigung, Selbstaufgabe .... Haneke macht in DIE KLAVIERSPIELERIN sogenannte (um es ganz vereinfacht auszudrücken) "Sexuelle Perversionen" zum Thema und mag damit viele vor den Kopf stossen, doch dahinter steht eine sehr ungekünstelte Inszenierung eines Menschen (Die Klavierspielerin) und seiner nicht enden wollenden Tragödie die irgendwo mal begonnen hat und irgendwann und irgendwie mal enden wird. Dieses eine Verhältnis, das im Mittelpunkt dieses Filmes steht, und sein grausames Scheitern ist nur ein weiterer Höhepunkt dieser Tragödie. DIE KLAVIERSPIELERIN als billige Provokation abzutun ist ein lächerliches Argument der blinden Gegner dieses Filmes. Wer sich mit einer gewissen Offenheit darauf einlässt kann eigentlich gar nicht übersehen, dass es da um ganz andere Dinge geht und Haneke einfach alles nur mit der nötigen Konsequenz dargestellt hat. Aber wer eben nicht allzuviel über uns Menschen erfahren will, da er das so nicht braucht, weil ihm davon schlecht wird, der sollte diesen Film besser auslassen. Wie auch immer: DIE KLAVIERSPIELERIN gehört ohne Zweifel zu den besten (und wichtigsten) Filmen des Jahres. |