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Der Herr der Ringe: Die Gefährten (Peter Jackson) ****

"Und Dinge die nie in Vergessenheit geraten hätten dürfen .. gingen verloren". Damit ist ganz sicher nicht J.R.R. Tolkiens Buch gemeint. Ich werde mir kaum eine Inhaltsangabe erlauben, ausser diese (Zuerst aber noch ein kräftiger Zug vom Pfeifenkraut und schon gehts los): Mittelerde - Alles liegt in der Hand des Hobbits Frodo Beutlin aus dem Auenland. Er ist im Besitz des einen Ringes. Er ist jetzt der Ringträger. Doch sein Ring ist sehr begehrt, mächtig und stellt eine grosse Gefahr dar. Gejagt von Sauron dem dunklen Schöpfer dieses Ringes machen sich nun Frodo und einige Menschen, Elben, Zwerge und Hobbits auf den Weg den Ring zu vernichten ... um die Welt zu retten.

Hier ist er also endlich. Alle, alle haben wir 2 Jahre darauf warten müssen und es hat sich wirklich gelohnt! Vielleicht ist ja ein zweiter Kinobesuch notwendig (so wars bei mir) aber wenn dieses monströse Filmereignis endlich fassbar wird kann man schon fast süchtig danach werden. Vorsicht an alle die bereits bis zu dieser Zeile vorgedrungen sind: Hier schreibt ein Unwissender, einer der das Buch nicht kennt, einer der J.R.R. Tolkiens Kultbuch bisher verschmähte und weil es so schön fett ist (bei mir sind alle Bände in einem Wälzer vereint) bisher immer als Bettpfosten missbraucht hat. Aber es liegt nicht mehr unterm Bett, es liegt jetzt daneben und es sieht verdammt danach aus, als würde ich es bald lesen.

Der Fantasie und Abenteuerfilm hat dieses Jahr ingesamt ein arges Tief durchlaufen und war durch so unglaubliche Scheisse wie DIE MUMIE II, TOMB RAIDER, JURASSIC PARK III oder DUNGEONS & DRAGONS vertreten. Aber mit HERR DER RINGE: DIE GEFÄHRTEN kommt wirklich Rettung in letzter Sekunde. Peter Jackson und ein großer Teil des Filmteams verbrachten die Jahre der Dreharbeiten nahezu ausschliesslich im wunderschönen Neuseeland wo der ganze Film (und auch anscheinend schon die beiden Fortsetzungen) abgedreht wurden. Der Film dauert 3 Stunden und wäre da nicht diese lästige Pause würde man vor lauter Staunen und Angst man könnte etwas versäumen kein einziges mal die Augen schliessen. Und das ist nicht gesund! Also hier meine Warnung: Auch wenn Gandalf den dunklen Schattendämon in der Zwergenmine bekämpft (mein Gott, war das eine wahnsinns Szene: Gandalf rammt seinen Zauberstock in den Boden und brüllt dem hochhaushohen feuerpeitschenden Monstrum entgegen "Du kommst hier nicht vorbei". Diese Szene ist unheimlich kraftvoll. In den USA hat man sich diesen grossartigen Augenblick gleich angeeignet und vergleicht dieses Szenario direkt mit der Afghanistankrise. Amerika (oder gar Bush?) im Kampf gegen einen gewaltigen und bösartigen Dämon!? Jajaja, die wilden Interpretationen haben also schon begonnen!) oder wenn bei einem Fest der Hobbits sich ein anscheinend harmloser Feuerwerkskörper in einen fürchterlichen Drachen verwandelt oder es kolossalste Bauwerke und Statuen auf der Leinwand zu bewundern gibt ... eines nie vergessen: Hin und wieder die Augen schliessen. Wegen der Feuchtigkeit!


Was ich eigentlich sagen will: HERR DER RINGE: DIE GEFÄHRTEN ist in aller erster Linie ein riesen Fest für die Sinne und man darf endlich wieder staunen, was das heutige Kino auf die Beine stellen kann, wenn Leute mit der notwendigen Leidenschaft daran arbeiten. Man könnte jetzt auch behaupten der Film sei überproduziert, aber vielleicht ist ja genau das die einzige Möglichkeit für einen Filmemacher, der überdimensionalen Verehrung, dem Mythos des Buches gerecht zu werden. Peter Jackson (man übersieht es vielleicht beim ersten mal) hat eindeutig seine ganze - ins Buch - verliebte Seele in den Film verpackt und als grossartiger, verrückter Regisseur (BRAINDEAD, HEAVENLY CREATURES) damit alles richtig gemacht.

Was gibt es zu den Schauspielern zu sagen: Elijah Wood als Frodo Beutlin ist ganz sicher eine fantastische Wahl. Man wird sein Gesicht nie vergessen. Er ist der wahre Hobbit des Filmes. Der unglaubliche Ian McKellen (GODS AND MONSTERS) gibt einen imponierenden und coolen Gandalf ab und auch Liv Tyler hat in ihrer Nebenrolle als wunderschöne Elbe Arwen einen ordentlich kraftvollen Auftritt. Wirklich gut sind dann noch Viggo Mortensen als Aragorn (Streicher), Sean Bean als Boromir und vor allem Christopher Lee als Saruman (Gandalfs aufregender, ebenfalls weissbärtiger und hinterhältig hexender Widersacher). Ausgeprägte Charaktere und dazu Darsteller die in der Lage sind (oder die die Möglichkeit dazu bekommen) ihnen die nötige emotionale Tiefe einzuatmen ... das ist selten bei dieser Art des Mainstreamfilms aus Hollywood. Peter Jackson hat wirklich darauf geachtet, dass seine Schauspieler für ihr Geld auch was leisten dürfen und nicht nur als Verzierung der atemberaubenden Bilder dienen. So etwas verleiht natürlich jedem Film nochmals zusätzliche Power!

HERR DER RINGE: DIE GEFÄHRTEN sollte man keinesfalls versäumen. Es ist der beste, düsterste, aufregendste und schönste Abenteuerfantasyfilm seit Jahren. Da sollte man wirklich keine gezwungene Fehlersuche starten. Ich war zuerst auch ein wenig misstrauisch aber das war falsch! "Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden". "Wow" - Alles klar Leute!?